Kirche
Kurze Einleitung zur Kirche Raperswilen von Pfarrer G. Arnstein
Die Stiftung der Kirche bzw. Kapelle zu Rapersweilen, welche dem heiligen Nikolaus, dem Patron der Fischer und Schiffer geweiht ist, ist ins Dunkle gehüllt. Rapersweilen, wie es damals hiess, gehörte der Abtei Reichenau und hatte eine Burg, auf welcher ein Edelknecht, Dienstmann der genannten Abtei, residierte. Ein «Heinrich von Raprechtswile» wird anno 1213 als Urkundenzeuge genannt. Vielleicht hat dieser Dienstmann die Kapelle gestiftet, in welcher fortan die Pfarrherren von Homburg die Messe hielten. Anno 1528 trat Hans Füllemann, Pfarrer von Homburg, zur Reformation über. Gleichzeitig wurde nun auch die Gemeinde Raperswilen evangelisch und besuchte die Gottesdienste in Homburg. Die des Altars und ihrer Zierde beraubte Kapelle wurde noch als Wagenschuppen benützt, bis die regierenden Orte auf das Verlangen der Abtei Reichenau die Gemeinde mahnten, das Kirchlein in Ehren zu halten.
Hans Füllemann wurde im Kappeler Krieg anno 1531 bei dem nächtlichen Uberfall auf dem Gubel in Zug erschlagen. Sein evangelischer Nachfolger, Hans Kihm, pastorierte die Gemeinde Homburg-Raperswilen bis 1537. Schon vor diesem Jahr hatte der Gerichtsherr von Homburg, Nikolaus Friedrich von Heidenheim auf Klingenberg, die Wiedereinführung der Messe in der Kirche Homburg durchgesetzt und wirkte nun mit Erfolg, dass sich Homburg wieder dem Katholizismus zuwandte, indem er 1540 einen unwürdigen evangelischen Geistlichen auf die Pfründe setzte. Homburg wurde 1555 beinahe vollständig katholisch.
Den Evangelisten wurde die Kapelle zu Raperswilen zur Benützung zugewiesen (1566). Von dieser Zeit an predigte der Pfarrer von Wigoltingen jeden zweiten Sonntag auch in Raperswilen. An den anderen Sonntagen funktionierte seit 1661 daselbst der Pfarrer von Lipperswil. Eigentlich gehörte Raperswilen zum oberen Kirchspiel von Wigoltingen und ist heute noch Filiale dieser Kirchgemeinde.
Neubau der Kirche Raperswilen
Im Jahre 1766 wurde die alte Kapelle, welche einzustürzen drohte, abgebrochen und an derer Stelle die heutige Kirche erbaut.
Dieser Bau war nicht so ohne weiteres möglich, denn es fehlte an Geld. Hans Jakob Herzog von Büren (Kirchenpfleger) war die treibende Kraft. Er lieh auch das Geld auf Vorschuss. Die Bürger taten sich zusammen und beschlossen, den Bau möglichst in Frondienst zu erstellen. Ein Plan wurde erstellt. Die Bauern führten mit ihren Pferden und Wagen Kies, Sand, Kalk, Ziegelsteine und Holz herbei. Die Handwerker, wie Maurer und Zimmermann, gaben Anleitung, und es fing ein emsiges Werken an. Die Stühle der alten Kapelle wurden für 994 Franken verkauft. Eine Sammelaktion brachte 422 Franken ein. Zusammen mit dem Steuergeld von 722 Franken ergab dies eine Summe von 2138 Franken. Schon am 17. August 1766 konnte die Kirche eingeweiht werden. Dekan Kilchsberger predigte über Lukas 19.46.
(Frau Emmi Gasser, Schullehrerin in Raperswilen, hat darüber mit grossem Zeitaufwand ein vielbeachtetes Theater geschrieben, welches sie mit ihren Schülerinnen und Schülern zweimal aufführte).
Anno 1798 gestattete das helvetische Direktorium die Einrichtung eines Friedhofes in Raperswilen.
Der Kirchturm der Kirche Raperswilen brannte am 28./29. Juli 1869 durch einen Blitzschlag ab und musste neu erstellt werden. 1888 wurde der Turmhelm mit einer Zinkbedachung versehen, der Turmstock mit demselben Material eingefasst und ein Futterdach über der Kirche errichtet. An Stelle der früheren Bretterdecke wurde eine Gipsdecke mit Fries und Rosette erstellt. Gleichzeitig wurden die hölzernen Uhrentafeln durch eiserne ersetzt und die Turmkugel neu vergoldet. Bei dieser Gelegenheit wurde dieses Dokument in die Kugel gelegt: «Diese Reparaturen kosteten 2500 Franken. Gott erhalte dieses sein Haus und mache es zum Hort des Segens und des Friedens für die Gemeinde. Im Auftrag der Pflegekommission Raperswilen, niedergeschrieben von Pfarrer G. Amstein.»
Renovationen der Kirche in neuerer Zeit
Im Jahre 1925 folgte eine Innenrenovation, die 10786 Franken kostete. Das Äussere der Kirche wurde 1933 erneuert. Im Jahre 1949 erwarb die Gemeinde eine Orgel von der Firma Metzler, utnd im gleichen Jahr fand die Gründungsversammlung des Kirchenchors statt. 1950 stifteten die Erben des in St. Gallen verstorbenen Bürgers Adolf Fröhlich das von Kunstmaler Willi Fries geschaffene bunte Weihnachtsfenster. Die letzte umfassende Renovation der Kirche im Jahre 1965 wurde vom Architekten W. Burger aus Frauenfeld geleitet.
So wurde die Kanzel herabgesetzt, der überschwere Emporen Vorsprung abgebrochen, die Orgel versetzt und die Kirchenbänke gegen die Mitte zusammengerückt. Ein neuer Plattenboden wurde verlegt, eine neue Holzdecke eingebaut sowie eine elektrische Heizung installiert. Man erstellte einen Vorraum mit Pfarrzimmer und deckte den Turm mit Kupfer ein. All diese Arbeiten kosteten schlussendlich 180000 Franken. In die neu vergoldete Turmkugel wurden alte und neue Dokumente eingelegt.
Anlässlich der Einweihung konnte der damalige Kirchenpräsident Hans Grimm von zahlreichen Spenden berichten. So erhielt man von den Zürcher Ziegeleien 6000 Franken zu Gunsten der schönen Decke. Ein Basar brachte 8282 Franken ein. Der Kirchenrat zahlte 5000 Franken, während der Heimatschutz weitere 2005 Franken beisteuerte. Den Spruch an der Innenwand «Sei Täter des Wortes und nicht Hörer allein» wurde von der Kirchgemeinde Homburg mit einem Betrag von 1500 Franken spendiert.
1975 eröffnete das Notariat Frauenfeld ein Testament, in welchem Herr und Frau Stutz in Frauenfeld die Kirchgemeinde Raperswilen als Universalerbin für ihr Haus in Frauenfeld und zwei Hektaren Wald in Büren einsetzte.
Für 4000 Franken erstand man 1978 eine Quarzuhr von der Firma Mäder in Andelfingen. Die farbigen Kirchenfenster des bekannten Kunstmalers Willi Härtung aus Wigoltingen wurden im Jahre 1983 eingebaut.