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Müllberg

Etwas Geschichte um das Schloss Müllberg

Müllberg frühere Luftaufnahme
Müllberg frühere Luftaufnahme
Rechts unten am Waldrand der «Waldhof», östlich gelegen das Dorf Raperswilen und nördlich davon das Dorf Büren

Burg und Hof Müllberg, zwischen Raperswilen und Klingenberg gelegen, gehörten seit unbekannter Zeit dem Kloster Reichenau. Am 14. Februar 348 verlieh Abt Eberhart von Brandis die Liegenschaft dem Ritter Albrecht von Klingenberg auf Klingenberg. Dieser verpfändete den Müllberg zusammen mit anderen Gütern seinen Töchtern aus der Ehe mit Margareta von Hornberg. Als er 1355 zum Sterben kam, ging das Lehen an seine Tochter Susanne und deren Gatten Hermann von Breitlandenberg über. Müllberg blieb bis 1798 mit der Herrschaft Klingenberg vereint. Nach der Klingenberger Chronik wohnte auf der Burg Müllberg ein eigenes Rittergeschlecht. Trümmer der Burg haben sich bis ins 19.Jahrhundert erhalten.Indessen liegt ihre Geschichte im Dunkeln. Ein Eberlein von Müllberg, wohl ein Nachkomme der Ritter, wohnte 1348-1349 in Steckborn. Die Burg ist als Edelsitz erwähnt, über dessen Bewohner sind weder Namen bekannt noch aufgefunden worden.

Skizze des Burghügels von Jost Bürgi, Kantonsarchäologe
Skizze des Burghügels von Jost Bürgi, Kantonsarchäologe

Die Burg, dieses Erdwerk mit Ringgraben, ist erst in neuerer Zeit näher beschrieben worden. Karl Keller-Tarnuzzer schreibt in seinem Tagebuch vom ii. August 1922: «Hinter den Gärten von Müllberg, die im Richtung Müllberger Tobel liegen, ist ein befestigter Platz, der zu beachten ist. Es handelt sich um einen kreisrunden, in Nagelfluh ausgehauenen Graben, der sich gegen das Tobel hin öffnet.» Wie es scheint, ist die Stelle bis dahin wenig beachtet worden. Kantonsarchäologe Jost Bürgi schreibt in seiner Notiz vom 25. Juli 1985: «Von der Burg Müllberg sind noch ein kreisrunder Burghügel mit einer bebaubaren Fläche von 25 Meter Durchmesser und die Reste eines Grabens erhalten. Die Burginnenfläche ist gegenüber dem Hintergelände kaum erhöht, was auf eine frühe Gründung noch vor dem 12. Jahrhundert schliessen lässt. In späteren Zeiten sind die Burghügel meist höher als das Umgelände.» Auf dem Hügel und im Graben sind bis heute keine Untersuchungen ausgeführt worden.

Burghügel aus dem 10. bis 12. Jahrhundert mit den zerfallenen Kellereingängen
Burghügel aus dem 10. bis 12. Jahrhundert mit den zerfallenen Kellereingängen

Es ist aber anzunehmen, dass die ersten Gebäude auf dem Hügel aus Holz errichtet worden sind. Ob auf diesen Ausbau in Holz später ein Steinbau folgte, ist nicht bekannt. Zu meiner Schulzeit waren aber auf dem Burghügel noch Mauerreste vorhanden und ein Plättliboden war sichtbar.
Alfred Amstutz, erster Gutsverwalter des Gutsbetriebes Müllberg, liess um 1940 den Boden auf dem Hügel ausebnen und eine Beerenanlage anpflanzen. Sogar eine Brücke aus Holz wurde über den Graben erstellt. Im Felsenkeller wurde noch lange Obst und Gemüse eingelagert. Dieser Ort wurde «Paradiesli» genannt. Die Nutzung und Verschönerung des Burghügels dauerte nicht lange. Heute ist alles etwas verwildert. Ein Teil des Felsenkellers ist eingestürzt. Nur ein Mäuerchen nordseits auf dem Hügel ragt noch aus dem Boden.

Nahe Müllberg gibt es zwei Befestigungen unterschiedlicher Zeitstellung

Die bekanntere Befestigung ist diejenige südwestlich von Müllberg am Gschmelltobel, die sogenannte «Heidenschanz». Dieses Refugium scheint aus der Hallstattzeit zu stammen, doch ermöglichten bisher keine Funde eine sichere Datierung. Es handelt sich um einen mehr oder weniger dreieckigen, westlich abfallenden Geländesporn von 210 Meter Länge. E r erstreckt sich bis die beiden Tobel sich vereinigen. Der Wall, der oben quer zwischen den beiden Tobel ein liegt, hat eine Länge von 60 Meter und ist bis zu 5 Meter hoch. Beidseitig hatte es Gräben, die heute längst zugedeckt sind.

Dieses Erdwerk ist seit langem bekannt und hat immer wieder zu Spekulationen Anlass gegeben. Früher hatte man angenommen, dass die Schanz etwa 500 Jahre vor Christus entstanden ist (Zeit der Hunnen). Beim Bau einer Waldstrasse T984 wurde der Wall angeschnitten. Es zeigte sich, wie im archäologischen Museum Frauenfeld ersichthch ist, dass sich in diesem Rest mehrere Vorgängerbauten erhalten hatten. Bei der ältesten Befestigung handelte es sich um eine einfache Palisadenreihe. Die nächstfolgende, eine Art Murus Galizus, hatte bereits eine Höhe von 2,5 Meter. Der immer gegen die feindselige Front angelegte Wall ist oben zwei Meter und am Fuss fünf Meter breit. Die Datierung der möglicherweise von einer Zerstörung herrührenden Holzkohleschicht ergab ein ungefähres Bau Datum um 400 Jahre nach Christus (Zeit der Kelten).

Rund 200 Jahre später wurde der Wall erhöht und verbreitert. Hinter diesem Wall ist bis in die heutige Zeit eine Geländeerhöhung von 40 cm mit einer Breite von zwei Meter und einer Länge von acht Meter sichtbar, was möglicherweise auf eine Grabreihe hindeutet. Bald aber wird nichts mehr zu sehen sein.

Befestigung aus der Bronzezeit per Zufall entdeckt

Am Abbruch zum Tüfelstobel wurden Vor Jahren per Zufall die Überreste einer kleinen Befestigung samt Spuren eines Walls und Grabens entdeckt. Die ganze Innenfläche misst 40 auf 40 Meter. Auch hier wurden bis anhin keine Grabungen durchgeführt. Gefunden hat man hingegen ein Stück spätbronzezeitlicher Keramik.